Ghettopalme

Ghettopalme ist eine Plattform für Texte und Fotografien zu urbanen Brachen, Stadtentwicklung und räumlicher Politik

Das Recht auf Stadt steht für ein gesamtgesellschaftliches Anrecht auf die im Urbanisierungsprozess angelegten urbanen Qualitäten, die für Lefebvre (1968) in der Begegnung, im Austausch, im Fest und in einem kollektiv gestalteten und genutzten städtischen Raum liegen.

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Himmelspagode

China meets Brandenburg – Ein Tempel am Rand von Berlin

Die Himmelspagode in Hohen Neuendorf, nördlich von Berlin gelegen, war über zwanzig Jahre hinweg ein markantes und ungewöhnliches Bauwerk im regionalen Stadtbild. Der runde, dreigeschossige Bau orientierte sich sichtbar an chinesischer Pagodenarchitektur und bezog seine ikonische Form ausdrücklich vom historischen Himmelstempel in Peking – ein bewusst fernöstlicher Akzent im Brandenburger Städtebau. 

Entworfen wurde das Projekt Anfang der 2000er Jahre in Zusammenarbeit zwischen dem chinesischen Bauherrn Wengui Ye und dem in Hohen Neuendorf lebenden Architekten Christian Rehbock. Die Pagode entstand zwischen 2001 und 2002, kostete mehrere Millionen Euro und integrierte importierte Elemente und Dekorationen aus China – vom Mobiliar bis zu Steinfiguren und Säulen. 

Im Inneren beherbergte das Gebäude ein chinesisches Restaurant mit knapp 400 Sitzplätzen, das über Jahre Gäste aus Berlin und dem Umland anzog. Mit seinem opulenten Interieur, einem Koi-Teich und exotischen Details bot die Himmelspagode ein räumliches Erlebnis fernöstlicher Atmosphäre und wurde so zu einem der bekanntesten und am häufigsten fotografierten Gebäude Hohen Neuendorfs. 

In jüngerer Zeit wurde jedoch entschieden, das Bauwerk nicht unter Denkmalschutz zu stellen. Grund ist die Planung eines umfangreichen Wohnquartiers auf dem Gelände. Die Himmelspagode schließt nach dem Sommer 2025 und soll in den kommenden Jahren abgerissen werden – ein Ende, das kontroverse Diskussionen über Erhalt, Identität und den Umgang mit außergewöhnlicher Architektur im urbanen Kontext ausgelöst hat. 

Mit dem Verschwinden der Pagode verliert Hohen Neuendorf eine seiner auffälligsten architektonischen Landmarken – und ein Beispiel dafür, wie kulturelle und bauliche Vielfalt im Stadtraum sichtbar werden kann.

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